
Nicht nur Anleger sind stark an der aktuellen Zinsentwicklung interessiert, sondern auch Kleinsparer sollten ein Augenmerk auf diese Entwicklung werfen.
Zu Beginn des Jahres sah alles nicht nach steigenden Zinsen aus, doch nun ist das weltweite Wirtschaftswachstum abgeflacht, der Euro steht immer noch in der Krise und manchen Staaten droht der Bankrott. Man ist sich nunmehr unter den Experten in Sachen klassische Geldanlagen und deren Zinsentwicklung nicht mehr einig.
Experten sind sich nicht einig
Die Zinsen auf Tages- und Festgeldkonten orientieren sich stark am aktuellen Leitzins. Schaut man sich die Situation im Dezember 2011 an, kann man davon ausgehen, dass dieser wohl eher nicht ansteigen wird. Solange der Euro-Raum in einer »Schuldenkrise« steckt, wird die Europäische Zentralbank den Leitzins nicht anheben und somit werden voraussichtlich auch nicht die Zinseinkünfte für Sparer steigen.
Im Gegenteil, am 8. Dezember hat die EZB noch eine Leitzinssenkung veranlasst. Fest- und Tagesgeldzinsen blieben daraufhin meist stabil, doch bei einer weiteren Herabstufung dürfte das von den Banken nicht zu halten sein. Bei solchen Leitzinssenkungen begibt sich die EZB auf einem schmalen Grad. Die Banken kommen zwar günstiger an Geld und können dieses erschwinglicher an das Volk weitergeben, doch erhöht die Europäische Zentralbank die Geldmenge und treibt somit die Inflation voran.
Steigende Zinsen trotz sinkender Leitzinsen
Eine verwunderliche Entwicklung, die vielleicht Hoffnung macht, geschah im November 2011. Die Europäische Zentralbank senkte den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte, die Tages- und Festgeldzinsen stiegen aber infolgedessen. Dieser Schritt der Banken ist einmalig und sehr schwer zu erklären. Aktuell ist beim Tagesgeld ein Zinssatz von bis zu rund 2,7% zu bekommen.
Auch wenn die Senkung der Zinsen im vergangenen November keine negativen Auswirkungen auf Tages- und Festgeldkonten hatte, ist es schwer vorzustellen, dass die folgende Herabstufung im Dezember sich wieder nicht unliebsam auf die Zinsen bemerkbar machen sollte. Der aktuelle Leitzins liegt bei nur noch einem Prozent, es ist somit einigermaßen gewiss, dass die Anlagezinsen 2012 wahrscheinlich sinken werden.
Keine Luft nach oben
Im glücklichsten Fall wird es keine Herabstufung geben und die Zinsen für Anlagen bleiben stabil, doch ein weiteres Ansteigen, wie im November 2011, halten viele Experten für unwahrscheinlich. Um wieder von einer Leitzinserhöhung sprechen zu können, muss Europa seine Schuldenkrise in den Griff bekommen. Nahende Pleitestaaten haben ihren Haushalt zu konsolidieren und sollten unbedingt glaubhaft machen, dass diese ihre gewaltigen Schuldenberge abbauen wollen. Hier muss gesagt werden, dass nicht nur die EU in der Pflicht steht. Auch Staaten außerhalb Europas können und müssen dazu ein großes Stück beitragen.
Aufgrund dieser Gegebenheiten sieht es im Jahr 2012 nicht nach einer Zinserhöhung auf Anlagen aus. Das kann sich Mitte/Ende des Jahres ändern, wenn die eben genannten Schritte eingeleitet werden.
Siehe auch: Stiftung Warentest verteidigt positive Einschätzung hoch verzinster Tagesgeld-Konten.


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